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THERANOS-WHISTLEBLOWER WARNT: KI-BOOM IST EINLADUNG ZUM BETRUG

Core Tech31. Oktober 2026
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Das Wichtigste

"Wenn man Menschen täuschen will, ist das eine grossartige Gelegenheit dafür."

Tyler Shultz, der Theranos-Whistleblower, zieht im Interview mit dem San Francisco Standard eine direkte Linie vom grössten Betrugsfall der jüngeren Tech-Geschichte zum aktuellen KI-Boom. Sein Punkt: Due Diligence bei KI-Firmen ist fast unmöglich, und genau das macht die Branche anfällig für Theranos-ähnliche Täuschungsmanöver.

Was ist passiert?

Anlass ist der Dokumentarfilm "You Can See Everything" von Nathan Fielder und Lance Oppenheim, der die letzten Wochen von Elizabeth Holmes vor Haftantritt zeigt und zu einem der kommerziell erfolgreichsten Dokumentarfilme überhaupt wurde.

Shultz, der als Theranos-Mitarbeiter die gefährlich ungenauen Bluttest-Geräte des Unternehmens öffentlich machte, muss den Film nicht sehen, um seine Meinung über Holmes zu haben. Theranos erreichte einst eine Bewertung von rund 10 Milliarden Dollar, obwohl die Technologie nie zuverlässig funktionierte.

Sein zentrales Argument: Investoren gaben Holmes enorme Summen, ohne wissenschaftliche Belege für die Funktionsfähigkeit der Technologie zu verlangen, Theranos berief sich auf Geschäftsgeheimnisse. Genau dieses Muster sieht Shultz jetzt bei KI-Startups wieder, die trotz fehlender Profitabilität mit Billionen-Bewertungen Kapital einsammeln.

Warum ist das relevant?

Shultz bringt das Kernproblem auf den Punkt: "Es ist wirklich schwer, den Unterschied zwischen etwas wirklich Einzigartigem und Neuem und, sagen wir, einem ChatGPT-Wrapper zu erkennen."

Für Investoren, Entscheider und auch Marketing-Verantwortliche, die KI-Tools einkaufen oder integrieren, ist das eine konkrete Warnung. Technische Komplexität wird zunehmend als Rechtfertigung genutzt, um Prüfprozesse zu umgehen, genau wie bei Theranos die "Trade Secrets"-Ausrede Top-VCs fernhielt, während private Investoren wie die DeVos- und Walton-Familien einstiegen.

Bemerkenswert auch der Nachsatz der Geschichte: Holmes arbeitet laut Film bereits an Haemanthus, einer neuen Diagnostik-Firma mit ihrem Partner Billy Evans, intern "Theranos 2.0" genannt, die bereits rund 20 Millionen Dollar eingesammelt haben soll.

Take-Away

Wer in KI-Startups investiert oder Tools für sein Unternehmen evaluiert, sollte Shultz' Warnung ernst nehmen: Technische Undurchsichtigkeit ist kein Qualitätsmerkmal, sondern oft ein Risikofaktor. Wer keine überprüfbaren Belege für Funktionsfähigkeit liefern kann oder will, verdient zusätzliche Skepsis, egal wie hoch die Bewertung oder wie überzeugend das Pitch-Deck ist.

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