91% DER PROFIS SAGEN: IHR UNTERNEHMEN VERSCHENKT KI-POTENZIAL
Das Wichtigste
91% der Angestellten sagen, ihr Unternehmen schöpfe das Potenzial von KI nicht aus. Der Grund ist selten die Technologie, sondern fehlende Strategie und "Tool Blast": zu viele Tools ohne klaren Zweck.
Was ist passiert?
Thomson Reuters hat für den 2026 Future of Professionals Report 1.800 Fachkräfte weltweit befragt. Das Ergebnis: Die Lücke zwischen KI-Ambition und tatsächlichem Nutzen wird grösser, nicht kleiner.
Vor 18 Monaten war die Stimmung noch anders. Mitarbeitende experimentierten euphorisch, Führungskräfte förderten das. Heute dominiert die Sorge um explodierende Token-Kosten und ausbleibenden ROI.
Das deckt sich mit einer vielzitierten MIT-Studie, wonach 95% der KI-Projekte keinen messbaren Wert liefern. Kirsty Roth, COO bei Thomson Reuters, bringt das Kernproblem auf den Punkt: Firmen haben Technologie verteilt, aber nicht definiert, was sich am Arbeitsprozess ändern soll.
Warum ist das relevant?
Drei Zahlen aus der Studie zeigen, wo es hakt:
41% der Mitarbeitenden haben laut eigener Aussage keinen Zugang zu wirklich guten KI-Tools. 35% sagen, ihre offizielle KI-Strategie sei im Arbeitsalltag schlicht nicht sichtbar. Und selbst dort, wo Strategien existieren, bleibt die Umsetzung stecken.
Roth nennt das Phänomen "Tool Blast": Organisationen verteilen wahllos Lizenzen, ohne ein Geschäftsziel zu definieren. Die Folge sind steigende Software-Kosten ohne erkennbaren Effizienzgewinn. Das passt zur Gartner-Prognose, dass bis 2027 rund 40% der Unternehmen ihre autonomen KI-Agenten wieder zurückstufen oder abschalten werden, weil der Nutzen fehlt.
Profis selbst sind bei den Anforderungen an Tools erstaunlich klar: 96% verlangen Schutz vertraulicher Daten, 94% verlässlich belegte Ausgaben, 90% nachvollziehbare Begründungen. Diese Ansprüche werden von vielen aktuell eingesetzten Tools schlicht nicht erfüllt.
Was Thomson Reuters anders macht
Der Ansatz des Unternehmens basiert auf zwei Prinzipien: kontrollierte Exploration und harte Selektion für den Produktivbetrieb.
In der Testphase durften Teams für rund sechs Wochen fast jedes Tool ausprobieren, unabhängig von Kostenzielen. Zeigten sich Ergebnisse, wurde ausgerollt. Zeigten sich keine, wurde sofort gestoppt. Diese Disziplin beim Beenden erfolgloser Experimente hält Roth für entscheidend, nicht nur das Erlauben von Exploration.
Für den produktiven Einsatz konzentriert sich Thomson Reuters bewusst auf fünf Bereiche: Engineering, Customer Support, Marketing, Editorial/Content Operations und Core Tech Operations. Nicht überall gleichzeitig Wirkung erzielen zu wollen, sondern gezielt in wenigen Feldern, ist der Unterschied zwischen Unternehmen, die laut Roth noch "im Sandkasten spielen", und jenen, die echte Prozessveränderung erreichen.
Das Ergebnis: 87% der Mitarbeitenden nutzen KI-Tools aktiv im Alltag, etwa über die interne Plattform Open Arena in Kombination mit Claude für Vertriebs- und Kundenrecherche, die zuvor Stunden manueller Datenzusammenstellung erforderte.
Take-Away
Wer KI-Wert im Unternehmen sucht, sollte nicht mehr Tools verteilen, sondern weniger, dafür klarer definierte. Setzen Sie befristete Testfenster mit klaren Erfolgskriterien, killen Sie konsequent, was nicht liefert, und konzentrieren Sie den Rollout auf zwei bis drei Bereiche mit messbarem Hebel statt auf die gesamte Organisation gleichzeitig.
