AI_STACK
System_Menu

Newsletter

Täglich um 07:00 Uhr die wichtigsten KI-News für DACH.

← ArchivTäglich kuratiert · Ausgabe 275
AI_STACK

EU-KI-GESETZ: AB SOFORT MUSS KI ÜBERALL GEKENNZEICHNET WERDEN

Business03. August 2026
Teilen:

Das Wichtigste

Seit diesem Wochenende gilt in der EU eine umfassende Kennzeichnungspflicht für KI-generierte oder KI-gestützte Inhalte und Interaktionen. Wer nicht compliant ist, riskiert Strafen bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Was ist passiert?

Am 2. August sind die Transparenzpflichten des EU AI Act in Kraft getreten. Bürger müssen künftig erkennen können, wenn sie mit einem KI-System interagieren oder KI-generierte Inhalte konsumieren.

Das betrifft laut Wired ein breites Spektrum: Deepfakes in Werbung oder Social-Media-Posts brauchen ein Label. Chatbots und Beschwerde-Hotlines müssen sich als KI zu erkennen geben. Callcenter, die per Machine Learning Emotionen oder Frustration in Anrufen erkennen, müssen das zu Beginn des Gesprächs ansagen.

Auch B2B-Anwendungen sind betroffen: Terminplanung, Korrespondenz oder Vertragsverhandlung per KI muss offengelegt werden. Die Aufsicht liegt beim neu geschaffenen AI Office der EU-Kommission, das nicht nur die üblichen Verdächtigen wie OpenAI, Anthropic oder Google DeepMind im Blick hat. Auch Firmen wie Spotify (KI-Empfehlungen) oder Adobe (KI-Editing in Photoshop) fallen laut den in Wired zitierten Juristen von Stibbe unter die Regel.

Warum ist das relevant?

Für Marketing-Teams bedeutet das: Jede Kampagne mit KI-Beteiligung braucht ab jetzt eine Kennzeichnung, sonst drohen empfindliche Bußgelder. Kritiker wie die Industrievereinigung CCIA warnen bereits vor "Banner Blindness": Wenn selbst rechtschreibgeprüfte E-Mails oder Foto-Filter gelabelt werden müssen, verliert die Kennzeichnung ihre Aussagekraft.

Für Entwickler heißt es: Die technischen Anforderungen zur maschinenlesbaren Markierung synthetischer Inhalte (Audio, Bild, Video, Text) müssen tief in bestehende Systeme integriert werden, nicht nachträglich aufgesetzt. Die EU hat dafür eine Übergangsfrist bis Dezember eingeräumt, weil die technische Umsetzung selbst den Regulierern zu komplex erscheint.

Juristen ziehen Parallelen zur DSGVO: Auch dort führte die Einführung zu einem Compliance-Wettlauf und am Ende zu "Cookie Fatigue" bei Nutzern. Ob die KI-Kennzeichnung ein ähnliches Schicksal erleidet, bleibt offen. Klar ist laut den in Wired befragten Experten: Die Durchsetzung wird uneinheitlich starten, weil die 27 Mitgliedstaaten unterschiedlich weit mit ihren Aufsichtsstrukturen sind.

Take-Away

Unternehmen mit EU-Kunden sollten jetzt prüfen, wo im eigenen Stack KI-Systeme mit Kundenkontakt laufen, von Chatbots bis Recommendation Engines, und Kennzeichnungsprozesse aufsetzen. Wer wartet, bis die nationalen Aufsichtsbehörden tatsächlich durchgreifen, verschenkt Vorbereitungszeit, die angesichts der Bußgeldhöhen teuer werden kann.

EU AI ActRegulierungTransparenzpflichtComplianceDACH